Innenstadt (ha). Der Überlebenskampf der freien Theaterszene in Köln offenbart sich als eine permanente Abwehrschlacht gegen fehlende Geldmittel. Nicht auf der Bühne und anhand der Qualität der Inszenierungen, sondern lediglich auf den Bankkonten entscheidet sich das Schicksal des Kulturerbes der Stadt.
Nach dem Theater "Der Keller" müssen auch die
Freunde der "Orangerie" um den Bestand ihrer Stätte
bangen.
Rund 1,7 Millionen Euro fehlen dem Haus für eine längst
überfällige Sanierung, die Aufführungen in der
kalten oder nassen Jahreszeit zulassen. Dabei verpassten die
Entscheidungsträger der Stadt im Mai dieses Jahres eine
Lösung, die den Fortbestand des prestigeträchtigen
Spielhauses hätte sichern können: Einen CDU-Antrag auf
Stellung von Städtebaufördermittel beim Land wurde von
Rot/Grün mit der Begründung einer Erhöhung des
städtischen Defizits abgelehnt. Mögliche 1,2 Millionen
Euro für das denkmalgeschützte Gebäude im
Volksgarten wurden damit verpasst. Auch die Bitte um eine
zehnprozentige Aufwandsbeteiligung lehnte das Gremium ab. Die
Mehrheit im Rat votierte seinerzeit lediglich für eine
Kostenschätzung bezüglich der Herrichtung des Hauses.
"Dass die Ratsmehrheit auf erhebliche Investitionen des Landes
verzichtet hat, ist ärgerlich, dass deshalb aber nun das Aus
für eine wichtige Spielstätte droht, ist
skandalös", bewertete Lorenz Deutsch, Mitglied im
Kulturausschuss und Vorsitzender der FDP-Fraktion in der
Bezirksvertretung Innenstadt, das Verhalten von SPD und
Grünen. "Die Stadt Köln hat eine einmalige Chance
vertan", kommentierte der Fraktionsvorsitzende der CDU in der
Bezirksvertretung Innenstadt, Bernhard Mevenkamp die verfahrene
Situation. Ob die jüngst in der Bezirksvertretung - unter
Enthaltung der SPD-Fraktion - beschlossene Bitte an den Rat zum
Erhalt der Orangerie eine Wende in der Sache herbeiführt,
bleibt fraglich. "Wir können nur die
'Alles-oder-Nichts-Schiene' fahren. Eine kleine Lösung
gibt es leider nicht", beschreibt die Leiterin des
Orangerie-Theaters, Hiltrud Cordes, den Ernst der Lage. "Dies
ist für mich und das Team eine Verlängerung der schwer
erträglichen Situation einer fehlenden Planungssicherheit, die
bereits seit Jahren andauert", so Cordes. "Ich hoffe, die
Politiker werden nach dem ersten Fehler der verpassten
Antragsstellung nicht auch noch den zweiten Fehler machen uns zu
übergehen ", wendet sich die Geschäftsführerin
an die Entscheidungsträger der Stadt.
Trotz der umjubelten diesjährigen Premieren von "Die
Hamletmühle", "Die Kampftrinkerin" oder die mit
dem Kölner Tanzpreis 2011 ausgezeichnete Produktion "Loss
Of Control", hallt der Schwanengesang durch das
geschichtsträchtige Haus. Jene letzte Aufführung
könnte sich bis zum Auslauf der Betriebsgenehmigung Ende 2012
schmerzlich hinziehen.
Informationen über die Spielstätte bietet die Internetpräsenz www.orangerie-theater.de


