Innenstadt (ha). 2011 - ein unüberhörbar lebendiges oder ein unerhörtes Jahr? Zumindest für die Mehrzahl der Bewohner des Brüsseler Platzes dürfte letztere Einschätzung der Fall gewesen sein.
Auf dem vorläufigen Höhepunkt der Auseinandersetzungen
zwischen Besuchern und Anwohnern des stadtweit beliebten
Party-Treffpunkts sorgte im vergangenen Sommer erstmals die
Räumung des Platzes durch Polizei- und
Ordnungsamtskräften für Ruhe. Neben Beifall stieß
die Aktion auch auf viele kritische Stimmen. Die fehlende
Rechtsgrundlage für derartige Maßnahmen wird wohl auch in
2012 für Kontroversen sorgen.
Zwischen Eintracht und Zwietracht offenbarte sich das Projekt einer
geplanten Kulturbotschaft auf dem Terrain der "Alten
Feuerwache". Nach Disputen um den Sinn einer
diesbezüglichen Einrichtung und den Folgen der baulichen
Umsetzung, erhitzten sich die Gemüter derart, dass Baugegner
und "Klagemauer"-Initiator sowie langjähriges
Vereinsmitglied, Walter Herrmann, mit Ausschluss und Hausverbot
belegt wurde. Wenige Monate später wurde der Beschluss
aufgrund einer Solidaritätsbewegung zugunsten Hermanns wieder
gekippt.
Ebenfalls wieder rückgängig gemacht wurde der Beschluss
des Oberverwaltungsgerichts in Münster. Das Gremium hatte den
Baumaßnahmen unmittelbar vor der romanischen Kirche St. Gereon
zugestimmt. Nach einer Klage der Kirchengemeinde unterstrich das
Kölner Verwaltungsgericht die Verletzung des
denkmalrechtlichen Umgebungsschutzes und verhängte einen
Baustopp. Vor allem Stadtkonservatorin Renate Kaymer, die den
Bauantrag geprüft und befürwortet hatte, stand im Fokus
der öffentlichen Kritik.
Voran ging es dagegen mit den Absichten, rund um den
Klingelpützpark die Bildungslandschaft Altstadt-Nord von der
Theorie in die Praxis umzusetzen. Spätestens 2013 sollen nach
Willen von OB Jürgen Roters die Bauten beginnen und eine
bundesweit einmalige Vernetzung von Schulen, KiTas sowie Kinder-
und Jugendeinrichtungen realisieren. Vorangegangen waren dem
Projekt langwierige Auseinandersetzung zwischen Befürwortern
und Gegnern. Letztere kritisierten unter anderem Eingriffe in den
Klingelpützpark.
Einige Jahre mehr werden die Bürger und Besucher der Stadt
dagegen noch auf die Umgestaltung der Ringe warten müssen.
Spätestens bis zur Eröffnung der Bundesgartenschau und
der Städteausstellung im Jahr 2025 soll die City jedoch
über einen "Großstadtboulevard für das 21.
Jahrhundert" verfügen, erklärte die Leiterin des
Stadtplanungsamtes, Anne Luise Müller, im Rahmen einer
Pressekonferenz im Herbst dieses Jahres zum Stand der Planungen
innerhalb des städtebaulichen Masterplans Innenstadt.
Wesentlich zügiger setzte die Stadtverwaltung einen neuen
"Boulevard" für die Skateboardfreunde um. Nach
dem Verbot auf der für Boardfahrer äußerst
reizvollen Fläche des Roncalliplatzes wurde im Sommer der
Umzug an den Rheinauhafen eingeleitet. Die Anlage "Kap
686" wurde schnell von den Skatern angenommen. Nach einem
Nutzungsstreit mit Inline- und BMX-Fahrern wurde die Fläche
offiziell den Skateboardern zuerkannt.
Einen Umzug in die alte, jedoch grundsanierte neue Stätte,
erwartet die Besucher des Kölner Schauspielhauses sowie der
Oper. Bis zur Eröffnung der Spielzeit 2015 sollen die Arbeiten
in beiden Häusern endgültig abgeschlossen sein. Bis dahin
wird Stefan Bachmann als Leiter des Schauspiels bereits zahlreiche
Visitenkarten abgegeben haben. Der Schweizer tritt zum 1. September
2013 die Nachfolge der renommierten Intendantin Karin Beier an.
In der Hoffnung auf neue Impulse startet auch die freie
Theaterszene in ein neues Jahr. Weniger die Kreativität als
die Wirtschaftlichkeit machten im vergangenen Jahr Schlagzeilen. So
bangt neben dem ältesten privaten freien Theater Kölns,
dem Theater Der Keller, auch das Orangerie Theater im Volksgarten
um die Existenz.





