Abschaffung des Verstandes

"Frau Müller muss weg" "Im Bauturm"

Innenstadt (ha). Leistung über alles. Ab der Wiege wird gepaukt. Für die Kinder kommt in Sachen Bildung und Karriereoptionen natürlich nur das Beste in Frage - das Gymnasium. Realschule? 

Wenn Eltern das Leben ihrer Zöglinge verplanen und dabei vor lauter Ehrgeiz die Chance auf eine individuelle Entwicklung verhindern, lautet der Schulabschluss für die Heranwachsenden mitunter "manisch depressiv". Doch nicht nur die Kinder, auch die Pädagogen sehen sich mit überzogenen Erwartungen konfrontiert und bleiben fehlbar.
Im aktuellen Stück "Frau Müller muss weg" am "Theater im Bauturm" verdienen sich die Darsteller eine glatte Eins für die Offenbarung der Abgründe zwischen elterlichem Anspruchsdenken und der Realität. Dabei kommt die Produktion von Lutz Hübner unter Mitarbeit von Sarah Nemitz in einer Inszenierung von Heinz Simon Keller gänzlich ohne die eigentlichen Protagonisten aus. Die Kids haben Zeit, abseits der sorgenden Augen ihrer Erzieher einfach nur Kind zu sein. Erschrocken über die abgefallenen Leistungen ihrer Kleinen und verängstigt obgleich der Zulassung zum Gymnasium, kommen die Eltern einer vierten Klasse zum einzig vernünftigen Entschluss: Frau Müller muss weg. Müller, die Klassenlehrerin wird als eigentliches "Enfant terrible" auserkoren und für die schlechten Noten verantwortlich gemacht. Während einer kurzfristig einberufenen Besprechung wird die Pädagogin mit dem Entschluss konfrontiert, fällt in sich zusammen, gibt sich dem überwältigenden Vertrauensentzug hin und offenbart beim Aufbäumen die Stärken und Schwächen eines Menschen, der sich in die Enge gedrängt und fremdbestimmt fühlt.
Auf der als Klassenraum gestalteten Bühne verzweigen sich die Wege der Gemeinschaftlichkeit zwischen den Elternvertretern. Die Unterschiedlichkeit der Charaktere und damit die verschiedenen Auffassungen über Erziehung lassen sich trotz der beschworenen Solidarität nicht verhehlen. Sie spiegeln sich im Alltagsverhalten der Kinder wider. Der prügelnde Schüler, der Streber, die vergötterte Prinzessin, der Kasper, die ehrfürchtigen Mitläufer - sie alle spielen im Mikrokosmos "Klassenzimmer" ihr persönliches Drama der Kindheit. Doch "Frau Müller muss weg" gerät trotz der ernsten Hintergründe nicht zur Tragödie. Die in der Gesellschaft täglich strapazierten Begrifflichkeiten "Bildung", "Integration", "Erziehung" werden in einer entlarvenden Produktion ihrer Lächerlichkeit preisgegeben, wenn nämlich die wahren Protagonisten von der eigenen Zukunftsgestaltung ausgeschlossen werden und zu Figuren auf dem Schlachtfeld der Elternkämpfe degradiert werden.

Termine: 7., 8., 9., 10., 19., 20., 21., 22. Dezember, 20 Uhr, 31. Dezember, 18 Uhr und 21 Uhr, 2, 3., 4., 5. Januar, 20 Uhr

Letzte Änderung: Mittwoch, 07.12.2011 14:55 Uhr

Blaulicht - Der Kölner-Polizeireport

Hier finden Sie die aktuellen Polizei- und Feuerwehrmeldungen aus Köln... »

Alle Titel im Großraum Köln/Bonn

Lernen Sie die weiteren Anzeigenblätter im Großraum Köln/Bonn kennen. »