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Fahren Sie vorsichtig!

Tipps und aktuelle Fahrberichte - exklusiv von Motorjournalist Werner Müller


Tempolimit wird nicht immer ernst genommen

Wer viel auf Autobahnen unterwegs ist, kennt das: Bei angezeigtem Tempolimit gibt es nicht wenige, die es immer eilig haben und locker mal 40 bis 50 km/h schneller als erlaubt vorbei sausen

Termine, Geschäfte, der Weg zur Arbeit - viele Geschäftsleute und Berufspendler legen in Deutschland täglich viele Autobahnkilometer zurück. Doch die Termin- und Zeitnot darf kein Grund dafür sein, das Tempolimit zu ignorieren.

Vielleicht liegt dieses Verhalten aber auch an der typisch deutschen Regulierungspraxis, durch die das Tempolimit gerade auf der Autobahn laufend geändert wird. Sogar an Landesgrenzen - etwa von NRW nach Rheinland-Pfalz - ändert sich oft das vorgeschriebene Tempo. Beispiel gefällig?

Wenn man die A3 von Köln Richtung Frankfurt fährt, dann wird auf diesen rund 160 Kilometern das vorgeschriebene Tempo von 80 km/h über 100, 120 und 130 km/h bis zu freier Fahrt über 30 mal vorgeschrieben und wieder aufgehoben.

Ein Problem für die häufige Missachtung: Man sieht als Autofahrer auf der wirklich gut ausgebauten A3 nicht den Grund für das vorgeschriebene Tempo ein. Deshalb agieren viele Autofahrer nach dem Motto: "Bei 20 km/h mehr laut Tacho komme ich noch billig davon". Doch das ist trügerisch.

20 km/h mehr kosten außerorts tatsächlich nur 30 Euro. Doch schon bei 21 bis 25 km/h mehr sind 70 Euro fällig und es gibt einen Punkt in der Flensburger Datei.

Tempoüberschreitungen kosten außerorts:

Bis 10 km/h 10 Euro
11-15 km/h 20 Euro
16-20 km/h 30 Euro
21-25 km/h 70 Euro + 1 Punkt
26-30 km/h 80 Euro + 3 Punkte
31-40 km/h 120 Euro + 3 Punkte
41-50 km/h 160 Euro + 3 Punkte + 1 Monat Fahrverbot
51-60 km/h 240 Euro + 4 Punkte + 1 Monat Fahrverbot
61-70 km/h 440 Euro + 4 Punkte + 2 Monate Fahrverbot
Über 70 km/h 600 Euro + 4 Punkte + 3 Monate Fahrverbot

Weil die Straßenbehörden tatsächlich das Tempolimit an oft gut ausgebauten Strecken verordnen, nehmen das viele Autofahrer nicht richtig ernst. Es wird ja auch kaum mal kontrolliert.

Auf französischen Autobahnen und schnellen Landstraßen wissen die Autofahrer: Bei einer angezeigten Temporeduzierung droht wirklich Gefahr. Wenn vor einer Kurve Tempo 80 angezeigt wird, dann verträgt die auch nicht mehr.

Auf holländischen Autobahnen und Schnellstraßen gibt es neben dem generellen Tempolimit von 120 und 100 km/h auch verkehrsbedingte Temporeduzierungen. Hier halten sich die meisten Autofahrer an die vorgeschriebene Geschwindigkeit. Denn die Holländer kontrollieren viel und betrafen Temposünder (auch aus Deutschland) schon ab 5 km/h Überschreitung.

Auf deutschen Autobahnen gibt es so viele unterschiedliche Tempovorschriften, dass man auf relativ leeren Autobahnen oft gar nicht mehr weiß, wie schnell man fahren darf. Oft stehen die Hinweisschilder erst wieder nach der nächsten Auffahrt.

Meine Meinung: Wenn schon auf der Autobahn wegen Gefahr etwa an verkehrsreichen Auffahrten, an Autobahnkreuzen oder durch langsame LKW auf Steigungsstrecken das Tempo reduziert werden muss, dann bitte einheitlich auf 100 km/h. Das häufig wechselnde Tempo zwischen 100 und 130 km/h wie etwa auf der Wiedbachtal-Strecke verwirrt nur.

Und dann sollte die Polizei das Tempolimit auch strenger überwachen. Ich komme mir wie viele disziplinierte Autofahrer nicht nur ziemlich blöde, sondern auch gefährdet vor, wenn auf tempobegrenzten Autobahnen einige sehr Eilige (auch häufig aus Belgien und Holland) locker mal mit 30 bis 40 km/h über dem Limit vorbeirauschen.

Foto: BMW/dpp
Tempoanzeigen im Auto oder wie hier per Head Up-Display stimmen nicht immer mit der aktuellen Situation überein. Also immer auf die tatsächliche Tempovorschrift achten.
Letzte Änderung: Montag, 07.11.2011 14:03 Uhr

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